Literarischer Neujahrsempfang 2013 - Nachlese

130115-Literarischer_Neujahrsempfang2013Rund 80 Gäste fanden sich am Montagabend (15.1.) zum 3. Literarischen Neujahrsempfang im Falkenhaus ein. Der Autorenkreis Würzburg hatte gemeinsam mit der Stadtbücherei eingeladen und startete mit vier Kurzlesungen in das neue Jahr.

Anja Flicker, Leiterin der Stadtbücherei, begrüßte als Hausherrin die zahlreichen Gäste und Autorenkreismitgründer Dr. Gunther Schunk dankte den Unterstützern der Veranstaltung und moderierte durch den Abend. "Ich freue mich, dass wir in unserer Kulturstadt mit dem Autorenkreis eine Gruppe haben, die sich auf so gutem Niveau um die Literatur in der Stadt kümmert," betonte der Würzburger Kulturreferent Muchtar Al Ghusain in seinem Grußwort.

Autorenkreissprecherin Ulrike Sosnitza berichtete über die Aktivitäten 2012 und über die geplanten Aktionen 2013. Danach kamen vier Mitglieder des Autorenkreises mit "literarischen Leckerbissen" zu Wort. Günter Huth, Barbara Wolf, Erhard Löblein und Matthias Hahn machten mit kurzen Texten Appetit auf die beiden anstehenden Lesungen am 24.1. und 5.2., die ebenfalls in der Stadtbücherei im Max-Dauthendey-Saal stattfinden.

 

Die Rede von Autorenkreis-Sprecherin Ulrike Sosnitza können Sie hier noch einmal nachlesen:

„Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen.“

Mit diesem Zitat von Francis Bacon begrüße ich Sie recht herzlich zum Dritten Literarischen Neujahrsempfang des Autorenkreises Würzburg.

Die Meere der Zeit durcheilen.

Jetzt sind wir schon im Hafen des Jahres 2013 angekommen. Wir ankern kurz, halten inne, tanken neue Ideen und viel Durchhaltevermögen und segeln dann bei Sonnenaufgang davon, neuen Zeiten und neuen Geschichten entgegen.

Die Flotte des Autorenkreises umfasst 20 Kapitäne, 20 Autoren, die mit ihren Geschichten unsere Phantasie auf Reisen schicken. Von lyrischen Kurztrips bis hin zu prosaischen Überseefahrten ist alles dabei. Gunther Schunk paddelt im Jahre 40 nach Christus über den Main, Roman Rausch steuert seine Schiffe ins Mittelalter, und Matthias Hahn in die Zukunft. Klassische Segeljachten aus Holz sind dabei, schnittige Sportflitzer und weinselige Kreuzfahrtschiffe. Viele Boote sind noch in der Werft, und beim kurzen Blick in die Werkstatt freut sich das Leserherz auf die Törns, die sie verheißen.

 Aber jetzt sind die Schiffe im Hafen angekommen, und es ist Zeit für die Rückschau. Das Logbuch für 2012 wird geschrieben, die zurückgelegten Seemeilen werden verzeichnet, der Kurs, den wir genommen haben.

Und da können wir vermerken, dass 2012 „Die Kinderhexe“ von Roman Rausch beim größten literarischen Publikumspreis, den „lovelybooks-award auf den achten Platz kam. Vor kurzem erschien mit „Die Kinder des Teufels“ die Fortsetzung dieses erfolgreichen historischen Romanes.

2012 kam auch das „Sendeprotokoll in 17 Silben und 99 Gesängen“ auf den Markt, ein Haiku-Band von Gunther Schunk. Von ihm sind auch das Quiz „Die Finnen und ihr Land“ sowie der neueste Asterix auf Meefrängisch „Die Wengert-Scheer“ dieses Jahr erschienen.

Etwas ganz besonderes war im März letzten Jahres die Premiere des Psychothrillers „Thallium“ im Programmkino KuK in Schweinfurt. Das Drehbuch zu „Thallium“ wurde von Christine Weisner in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Ralph Wege geschrieben. Der atmosphärisch dichte Film wurde in Unterfranken gedreht und erzählt spannend von einem missglückten Studentenstreich und seinen weitreichenden Folgen. Das Besondere an diesem Film ist, dass er für den amerikanischen Markt und damit auf Englisch gedreht wurde. Wir Premierenzuschauer waren sehr begeistert.

Besonders war es auch, als der Radiosender WDR 5 in seiner Sendung "Spielart" eine szenische Lesung der Kurzgeschichte "Der blassblaue Engel in der Fußgängerzone" von Erhard Löblein brachte.

Der Widerspenstigen Zähmung von Shakespeare wurde von Anna Cron neu übersetzt und dieser Tage am Residenztheater in München aufgeführt.

Die Autoren Würzburgs sind in ihrer Wirkung nicht nur auf die Region beschränkt, das Schiff der Literatur fährt auf allen Weltmeeren. Sandra Maus trifft man jetzt immer öfter in Schweden, bei den segelbegeisterten Nachfahren der Wikinger. Vor ihrem Stockholmer Zweitwohnsitz befindet sich eines der schönsten Segelreviere der Welt, die Schären. Wenn das kein Ort für phantasievolle Geschichten ist.

In die Ferne führt auch der Band „Unter dem Buddha-Baum und zwölf weitere Geschichten“ von Udo Pörschke, hier nach Mexiko und Asien.

2012 erschienen Kurzgeschichten von Ulrike Schäfer, Jutta Rülander und mir in Anthologien und Zeitschriften, und es wurde gelesen. In über 30 Lesungen verließen wir mit dem Schiff der Phantasie die Weltprovinz. Raum und Zeit spielten keine Rolle, ob bei den Zellerauer Kulturtagen, beim afternetwork in der Galerie Michel oder hier in der Stadtbücherei, um nur einige wenige unserer Lesungsorte zu nennen.

Neue Kapitäne, neue Autoren, sind dieses Jahr auch zu uns gestoßen. Andreas Arnold, Lyriker, Prosaist und Redakteur des „Lohrer Boten“. Und Matthias Hahn, Theatermensch und Autor gruseliger Geschichten und Zukunftsvisionen. Herzlich Willkommen.

Und wo steuert unser Schiff 2013 hin, welcher Kurs wird gesetzt?

Welche Ideen werden uns zugetragen, wenn der russische Eiswind in der Nase bitzelt? Was flüstert uns die laue Frühlingsluft im Maintal zu, die drückende Schwüle im Sommer, der mostschwere Duft der Weinberge im Herbst? Wenn man das immer so genau wüsste.

Was wir wissen, ist, dass das neue Schiff „Blutiger Spessart“ die Werft verlassen und mit seinem Kapitän Günter Huth auf dem See der Psychothriller hart am Wind kreuzen wird.

Auch der Band „Sagen aus Unterfranken“ sticht dieser Tage in See, mit an Bord sind von Barbara Wolf aufgezeichnete Sagen.

Und wir lesen, z.B. in der Alten Synagoge in Arnstein, deren Förderverein dieses Jahr mit einem Kulturprogramm startet, welches wir durch unsere Texte bereichern dürfen.

Autoren segeln aber nicht nur in fremde Länder, um ihre Leser auf Phantasiereise zu schicken.

Manchmal finden sie dort Dinge vor, an denen es in ihrer Heimat mangelt. Stipendien sind so eine fremdartige Sache. Und die Lüneburger Heide das Ziel. Ulrike Schäfer wird im November als Stipendiatin der Soltauer Künstlerwohnung einen Monat dort für eine Erzählung recherchieren. Um zu zeigen, wie sehr sich dieses Aufenhaltsstipendium etabliert hat, sei der bekannte Autor historischer Romane Peter Prange genannt, der im August 2012 dort wohnte.

Auch Literaturwettbewerbe sind in unserer fränkischen Heimat äußerst rar. Udo Pörschke musste seinen Beitrag für den ALFA-Multimediawettbewerb bis an die portugiesische Küste der Algarve schicken, um als Siebter nach Hause zu kehren.

Wer als Kapitän mit seinem Schiff durch das Meer der Zeit reist, wer seine Leser unterhält und immer wieder sicher zu Hause ankommt, der ist dankbar. Für die richtigen Winde, für die Mitarbeit der Mannschaft, für sein starkes Boot.

Bücher sind Schiffe, welche die Meere der Zeit bereisen. Wer weiß das besser als eine Bücherei, die diese Bücher, diese Schiffe, für alle Zeit der Welt archiviert. Und die als kultureller Treffpunkt einer Stadt Autoren einlädt, um ihre Werke, ihre phantasievollen Reisen, den Lesern persönlich zu präsentieren.

Ich möchte mich daher bei der Stadtbücherei für das Vertrauen, das sie in uns gesteckt hat, bedanken. Es ist nicht selbstverständlich, dass unbekannten Autoren ein solches Forum für ihre Texte geboten wird.

Besonderer Dank gilt allen, die uns Gelegenheit zum Lesen geben. Allen voran die Galerie Michel, bei der wir unsere Heimat gefunden haben. Ein bis zwei Mal im Monat treffen wir uns dort, reden, diskutieren, lesen. Organisieren. Und wir dürfen im Rahmen des „afternetworks“ an vielen Freitagen im Jahr in unkomplizierter Atmosphäre neue Leser gewinnen.

Und natürlich danken wir all jenen, die unsere Texte verlegen. Hier in Würzburg sind das der Echter-Verlag, der Buchverlag Peter Hellmund und der Verlag Königshausen und Neumann. Obwohl das gedruckte Buch große virtuelle Konkurrenz bekommen hat, scheuen sie das wirtschaftliche Risiko nicht und vertrauen uns Autoren.

Aber es gibt auch Mitglieder unseres Autorenkreises, denen wir zu besonderem Dank verpflichtet sind. Zuerst sei hier Ulrike Schäfer genannt, die seit vielen Jahren unsere Homepage und den Newsletter kompetent und zuverlässig betreut.

Vielleicht ist es ihnen aufgefallen, dass wir ein neues Logo besitzen. Unser Multitalent Erhard Löblein ist der kreative Kopf, der dahinter steckt, und auch ihm gebührt unser Dank für das Logo genauso wie für das Design unserer Plakate und Flyer.

Da kein Verein, und sei es auch nur ein ganz kleiner, nicht eingetragener, so wie der Autorenkreis, ohne Geld auskommt, möchte ich mich hier auch bei Rainer Greubel bedanken, der unsere neu geschaffene Kasse betreut.

Bei der Vorbereitung dieses Abends half insbesondere Sonja Höflich mit ihrem Mobilen Sekretariat. Hans-Jürgen Beck betreut unseren Büchertisch, und Gunther Schunck navigiert uns durch den heutigen Abend. Vielen Dank dafür.

Und zum Schluss mein Dank an Sie, liebe Leser, liebe Gäste: ohne Sie stünden wir heute Abend nicht hier. Vielen Dank für Ihre Treue.

Wer weiß, was das neue Jahr bringen wird. Welche Ideen uns kommen werden, ob wir sie verwerfen oder verfolgen, mit Kraft und Liebe zur Sprache, zur Spannung, und in welcher Form diese Idee dann letztendlich zum Leser finden wird.

Das nimmt manchmal sehr interessante Wendungen. Seien wir gespannt darauf.

Vielen Dank.