"Der Widerspenstigen Zähmung" in der Übersetzung von Anna Cron in München

personShakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" wird in der Übersetzung von Anna Cron am Residenztheater in München aufgeführt. Premiere war am 2. Oktober 2012, Aufführungen sind bis Juni 2013 zu sehen. Aktuelle Termine finden sich im Spielplan des Residenztheaters.

 

Der Widerspenstigen Zähmung

Ein Vater verschachert seine beiden Töchter an Meistbietende. Die eine spielt das Spiel mit; die andere wehrt sich mit derben Worten und haut auch schon mal kräftig zu. Der Freier der letzteren, der es auf die Mitgift abgesehen hat, bricht ihren Willen, ihren Stolz, und vergewaltigt sie physisch und psychisch bis sie die Unterdrückung als naturgegeben akzeptiert.

Ursprünglich hatte das "Lustspiel" eine Rahmenhandlung, die die Geschichte als Stück im Stück relativiert und im Stil der commedia dell' arte überhöht hätte; im Original war die Zähmung der Traum eines betrunkenen Kesselflickers.

Ob nun Robert Greene oder George Peele der Autor des Stückes sein mag, William Shakespeare hat "Taming Of The Shrew" zu dem Stück gemacht, das bis heute erfolgreich aufgeführt wird. Er hat von der Rahmenhandlung lediglich das Vorspiel übernommen, die Schlusssequenz, das Erwachen des Kesselflickers vor dem Wirtshaus, jedoch vollständig weg gelassen. So endet es mit dem glühenden Plädoyer Katharinas für die eigene Unterwerfung und Unterdrückung.

Shakespeares Leute waren Männer; und für die deutschen Übersetzer gab es seinerzeit kaum Veranlassung, den Inhalt der Stücke unter feministischen Aspekten zu hinterfragen.

Vor 400 Jahren fürs englische Volk verfasst, wurden sie weit mehr als ein Jahrhundert später erstmalig ins Deutsche übertragen – in der Sprache der deutschen Romantiker, die als Shakespeares Sprache die Jahrhunderte überdauert hat und heute ohne höhere Schulbildung nur schwer zu verstehen ist.

Anna Cron ist davon überzeugt, dass es die ultimative Übersetzung von Shakespeares Theaterstücken nicht geben kann, da diese sprachlich dem jeweiligen Zeitgeist verpflichtet sind. Ihr Wunschziel bei der Neuübersetzung ist es, den Charakter der Volksstücke - unter Berücksichtigung von Versmaß und Reim - in einer heute verständlichen Sprache zu vermitteln, die der Deftigkeit des Originals entspricht.

In ihrer Fassung wird die Zähmung wieder zum Traum eines betrunkenen Kesselflickers, den spätestens wenn er nach Hause kommt, die Realität in Form seiner erbosten Ehefrau einholen wird.