Marina Maggio: Gedichte

Hauptkategorie: Textprobe

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Wenn du meine Seele betrittst
zieh deine Schuhe aus.
Ich mag kein lautes Getöse.

Ein kleiner Raum, wenig Licht.
Ich hoffe, du kannst mir trotzdem
aus den Augen lesen.

Nimm Platz in dieser begrenzten Weite.
Hier saß schon lange niemand mehr.

 

 

Wagnis

Der Wind haucht aus und
wirbelt eine Schar Blätter auf.
Nur eines steigt auf zum Schwalbenflug.

 

 

Zaubereien

Kurz an den Nebelfäden ziehen,
einen Vers aufrollen, der über
den schlafenden Gräsern schwebt.

Die Muse bläst ins Horn und schon
erwacht die Hexe in mir, verreibt die
gefrorene Erde zwischen ihren Fingern.

Worte legen sich wie zappelnde
Glieder auf den Zeilenaltar. Es öffnet
sich ein Spalt in der Gedankentür und

ohne Kompass oder der Ausrichtung
von Sternbildern, findet der Minotaurus
den Weg aus dem Labyrinth.

 

 

Hügel, Flüsse, Seen

Die Zeit heilt keine
Wunden.
Sie korrigiert Narben,
wie ein Chirurg.

Die Zeit spannt ihre
Haut, ihre Muskeln an...
Hügel, Flüsse, Seen.

Vom Kopf zum Zeh...
Orte, die sich verändern.